Reverse Recruiting beschreibt die aktive, gezielte Ansprache von potentiellen Mitarbeitern. Hierbei bewirbt sich das suchende Unternehmen bei den Kandidaten und versucht diese, von einem Wechsel zu überzeugen.
Fachkräftemangel machen solche Maßnahmen notwendig und sind keine Besonderheit mehr in der aktuellen Situation auf dem Arbeitsmarkt.

Von der Not zur Tugend

Was aus der Not entstanden ist, da in der heutigen Zeit auf eine ausgeschrieben Stelle eines Facharbeiters, nicht mehr Hunderte von Bewerbungen eingehen, ist schnell eine neue Strategie geworden.
Unternehmen feilschen um die Gunst der Kandidaten und bemühen viele Wege die Attraktivität als Arbeitgeber herauszustellen. Die Wahrnehmung, dass sich in der Handhabung etwas grundsätzlich ändern muss, ist ein gutes Zeichen und sachdienlich für eine erfolgreiche Rekrutierung.

Theorie versus Praxis

Die Intention des Reverse Recruitings ist, dass das suchende Unternehmen, verfügbare (aktive und passive Kandidaten) anspricht und diese von den Vorteilen des Arbeitens in der eigenen Firma überzeugt.
Das Bemühen durch die gezielte Ansprache und die damit verbundene Aussage:
„Wir wollen Sie unbedingt. Sie sind unsere erste Wahl.“
soll die Kandidaten davon überzeugen, dass sie sich zumindest mit der Option näher auseinandersetzen.

Welcher Mensch wird nicht gerne hofiert? Das Gefühl der umworbene Kandidat zu sein und konkret selektiert worden zu sein, gibt Selbstbewusstsein und erhöht den Stellenwert der Anfrage. Die daraus resultierende Reaktion sollte sehr wohlwollend ausfallen und für einen weiteren Dialog förderlich sein.

Die logische Konsequenz einer solchen Ansprache ist, dass solcherlei Maßnahmen individuell durchgeführt werden müssen und sehr viel Aufwand bedürfen.
Die Sichtung und Analyse der Personen und folglich auch die abweichende Ansprache und Behandlung, sind mit sehr viel Zeit verbunden.

Und hier kommt die gute Strategie zum Erliegen. Was sich theoretisch gut anhört, wird in der Praxis nur rudimentär umgesetzt. Nach erfolgreicher Ansprache verfällt man in alte Muster und agiert nicht stringent zielführend.
Die Zahnräder des Prozesses müssen ineinander greifen und dürfen keine Aussetzer haben.

Falsche Attitüde ist ursächlich

Unternehmen die sich für eine solche Strategie entschieden haben, müssen sich darüber im Klaren sein, wie die Marksituation ist. Jeder Beteiligte im Verlauf des Prozesses ist sich der Tatsache bewusst, in welche Richtung die „Bewerbung“ erfolgt ist.
Ein angesprochener Kandidat agiert zunächst reaktiv und muss überzeugt werden. Die Bewegung erfolgt in seine Richtung und entscheidet über die Erfolgsaussicht der Anfrage.

Oftmals passiert es, dass die angesprochenen Kandidaten eine gleiche Behandlung erfahren, wie die Bewerber, die sich durch eigenen Impuls vorgestellt haben.
Die Verarbeitung in den HR Gremien der Firmen differenzieren nicht und begehen einen Kardinalfehler.

„Ihr wollt doch was von mir“. Diese Wahrnehmung ist zu Beginn des Prozess in den Köpfen der angefragten Teilnehmer manifestiert.
„Ihr möchtet mir etwas anbieten, dann bemüht Euch auch!“

Die aktuelle Nachfrage an fachlich gut ausgebildeten Leuten ist derart hoch, dass die Grundlagen verschoben haben. Es muss klar sein, dass nur eine stringente Vorgehensweise erfolgsversprechend ist.

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Headhunting mit Zielvorgabe

Gute Personalvermittler machen es sich zu Nutze, angefragten Personen ein bestmögliches Gefühl zu geben.
„Der Auftraggeber möchte Sie im Speziellen und hat uns damit beauftragt, Sie zu kontaktieren. Unser Ziel ist es den Dialog einzuleiten und eine konkrete Kommunikation herzustellen.

Der Personalvermittler kann erster Berührungspunkt auf dem Weg zu einer erfolgreichen Kandidatur sein. Agiert dieser erfolgreich, so ebnet er den Weg in die Bewerbung.
Der Ansatzpunkt auf Unternehmensseite muss es sein, dass man sich darüber im Klaren ist, wie der Impuls des Dialogs zu Stande gekommen ist.

Die weitergehende Bearbeitung des Bewerbungsprozesses auf Unternehmerseite muss da ansetzen, wo der vorherige Schritt aufgehört hat.
Das Bemühen muss spürbar sein und darf nicht durch formale Bürokratie kannibalisiert werden.

Absagen sind heute bilateral

Zeitgemäß arbeitende Unternehmen sind sich der Tatsache bewusst, dass Kandidaten in der aktuellen Situation die Wahl haben.
Absagen erfolgen nicht nur in eine Richtung. Die Anzahl der abgelehnten Jobofferten steigt an.

Ein guter Kandidat der wechselwillig ist, hat heute mehr als nur eine Option. Die Wahl des zukünftigen Arbeitgebers ist durch eine Vielzahl von Parametern begründet.
Wo vor Jahren noch finanzielle Aspekte als das einzige Kriterium für die Selektion genannt wurden, sind heute Schlagworte wie „Work-Life-Balance“, „Karriere-Chancen“ und ein „gutes Gefühl“ ausschlaggebend.

Firmen müssen sich der Tragweite Ihres Auftritts bewusst sein. Die Wahrnehmung der Ansprache und das Bemühen um den potenziellen Mitarbeiter sind Stellschrauben, die sie in der eigenen Hand haben.

Gesamtpaket als Grundlage für Wahl

Mittels einer guten Ansprache und dem Willen zu zeigen, dass man den Kandidaten unbedingt gewinnen möchte, ist es möglich, monetär hochwertigere Angebote auszustechen.
Es passiert häufig, dass umworbene Fachkräfte, ihre Wahl für das Unternehmen damit argumentieren, wo das Gesamtpaket in ihrer subjektiven Wahrnehmung am besten gewesen ist.

Eine klare Formulierung in seine/ihre Richtung, die besagt, dass man sich maximal bemüht und alles Machbare in die Wege setzt, kann ausschlaggebend für eine erfolgreiche Bewerbung sein.

Reverse Recruiting ist notwendig und sollte in das Bewusstsein der Firmen übergehen, denn nur dann lassen sich passive Kandidaten erfolgreich überzeugen.

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