Leiden Sie vielleicht in Boreout
Leiden Sie vielleicht in Boreout

Boreout? Was ist das? Meinten wir Burnout?
NEIN! Unter Boreout versteht man in der Psychologie, die krankhafte chronische Unterforderung im Arbeitsleben. Abgeleitet von der englischen Vokabel „to bore“ – sich langweilen – bezeichnet der Mediziner den Zustand, bei dem der Betroffene permanent geistig, wie auch körperlich, unter seinen Möglichkeiten agiert.

Definition von Boreout

Boreout findet seine Erwähnung in medizinischen Abhandlungen seit Beginn dieses Jahrtausends. Ähnlich wie bei der Burnout-Diagnose, ist die Analyse sehr schwierig. Handelt es sich um einen temporären Zustand oder bereits um fortgeschrittene Symptome, die das Syndrom diagnostizieren lassen.
Eine klare Diagnose zu stellen ist umso schwieriger, da die Symptome dem eines Burnouts sehr ähnlich sind. Erkrankte leiden unter Depressionen, Niedergeschlagenheit, Schlaflosigkeit und genereller Antriebslosigkeit.
Häufig kommt es zu Kopf- und Magenschmerzen, einer gestiegenen Anfälligkeit gegenüber Infektionskrankheiten, sowie in gravierenden Fällen zu Tinnitus und Hörstürzen.

Was ist ursächlich?

Anfangs befinden sich die Leidtragenden in einem inneren Zwiespalt. Das Aufgabenprofil, dass an Sie gestellt wird, wird leicht bewältigt und der Inhalt der Tätigkeiten sind nicht fordernd. Triviale Arbeiten werden automatisiert erledigt. Hinzu kommt, dass nicht ausreichend viel Tätigkeit für einen kompletten Arbeitstag existiert, was zu größeren Leerlaufzeiten führt.
Die Konsequenz ist Monotonie, die schnell zur Langeweile wird. Die tägliche Abfolge der Unterforderung und die damit einhergehende Langeweile wird schnell zur Routine.

Völlig übermüdet trotz maximaler Unterforderung?

Was paradox erscheint, ist bei genauerer Betrachtungsweise sehr leicht erklärbar. Wer sich langweilt, der wird schläfrig. Man spricht sogar vom Zustand des „unterstresst“ sein. Die Folge ist, dass sich die betroffene Person, nach Beendigung der Arbeitszeit, in einem Zustand befindet, indem die kognitive Leistung auf das Minimum runtergefahren worden ist. Trotzdem wenig Leistung über den Tag erbracht wurde, empfindet der Erkrankte körperliche Erschöpfung.

Warum entflieht man der Situation nicht?

Soziale Komponenten, sowie Existenzängste sind die häufigste Antwort auf diese Frage. Ein bestehendes Arbeitsverhältnis sollte nicht leichtfertig gekündigt werden. Eine zunehmende Lethargie verursacht additive Trägheit, die mangelnde Motivation hervorruft, sich aufzuraffen, eine erstrebenswerte Tätigkeit zu finden (Jobwechsel). Selbst der Impuls, den Vorgesetzten darauf aufmerksam zu machen, dass man gewillt sei, mehr zu leisten, wird unterdrückt. Die Angst als obsolet (überflüssig) eingestuft zu werden, steht dem Drang nach fordernder Arbeitsroutine gegenüber.
Befragte Personen gaben zu Protokoll, dass sie sich wie in einem Hamsterrad befanden. Ein Kreislauf, bei dem Anfang und Ende verschwammen.

Erschwert wird die Wahrnehmung des Problems durch falsche Äusserungen seitens der Leidtragenden. Die Darstellung der Situation wird paradoxer Weise oftmals gegenteilig dargestellt. Anstatt mitzuteilen, dass eine Unterforderung vorläge, kommunizierten Betroffene, dass Sie unter großem Stress leiden würden, der durch große Arbeitsintensität hervorgerufen würde.
Erklären lässt sich dieser Umstand mit der folgenden These: Wer gibt schon gerne zu, dass er viel Leerlauf hat und über mangelnde Auslastung klagt!?
Die Akzeptanz des Zustands auf sozialer Ebene ist ein zusätzlicher Indikator für die Verschleierung der Situation. Eine Person die unter großem Aufwand klagt, findet eine größere Akzeptanz, als jemand der zu wenig zu tun hat.

Therapieansatz und Prophylaxe

Präventive Maßnahmen sind aus subjektiver Sicht nur dann möglich, wenn die potentiell gefährdete Person eine gesunde Wahrnehmung der Situation hat. Darin besteht jedoch das Dilemma: Personen mit gesunder Einschätzung laufen weniger Gefahr daran zu erkranken.
Bereits betroffenen Personen wird geraten, sich in psychologische Behandlung zu begeben. In vielen Fällen helfen einfache Maßnahmen wie autogenes Training, Musik- und Atemtherapie bei der Bewältigung des Zustands. Ein persönliches Coaching kann präventiv helfen zukünftig in eine ähnliche Situation zu gelangen. Generell hilft die Auseinandersetzung mit der Situation und selbstredend: die Veränderung des Ist-Zustands.

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Arbeitgeber ist ebenfalls gefordert

Eine ganzheitliche Analyse und Reflexion der Zustände innerhalb der Unternehmung sind hilfreich und können davor schützen, dass Teile des Kollegiums unterfordert zurückgelassen werden.
Mitarbeitergespräche müssen inhaltlich danach ausgerichtet werden, ob die Personenprofile passend zu den Anforderungsprofilen sind.
Nicht ausgeschöpfte Potentiale verschlechtern langfristig die Arbeitsmoral und die Qualität innerhalb der Unternehmung.

Nicht selten kommt es zu paradoxen Situationen innerhalb einer Firma. Während einige Mitarbeiter unter dem Druck und der Intensität an der Schwelle zum Burnout wandern, befinden sich andere Kollegen bereits in einem unterstressten Zustand der kontinuierlichen Langeweile. Führungskräften obliegt es eine Balance innerhalb der Struktur zu schaffen und diese weiterzuentwickeln. Aus einer negativen Situation können Potentiale entstehen: Entlastung des Einen bei gleichzeitiger Auslastung des Anderen. An dieser Stelle kann es zu einer Win-Win-Situation kommen.

Testen Sie sich selber um festzustellen, ob sie gefährdet sind:

Sollten Sie nachfolgende Fragen überwiegend mit „Ja“ beantworten, so sind sie gefährdet.

  • Sie sehen nur wenig Sinn in Ihrer täglichen Arbeit und sind demotiviert diese auszuführen?
  • Nach der Arbeit sind Sie erschöpft, obwohl Sie keinen Stress hatten?
  • Sie würden gerne den Job wechseln, scheuen sich aber vor dem existentiellen Risiko?
  • Anderen Personen suggerieren Sie viel Arbeit zu erledigen, obwohl das Gegenteil der Fall ist?
  • Sie füllen Leerlaufzeiten während des Tages mit privaten Aktivitäten um die Zeit „abzusitzen“?
  • Sie agieren bewusst langsamer damit Sie möglichst lange etwas zu tun haben?
  • Sie sind introvertiert und meiden den Kontakt mit Kollegen?
  • Sie haben keine Identifikation mit der Arbeit und der Unternehmung?

Wir hoffen, Ihnen anschaulich die Gefahren und Ursachen dieses Problems nähergebracht zu haben. Sollten Sie Anregungen zu diesem Beitrag haben, so lassen Sie es uns bitte wissen.

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