Ein Jobwechsel in der Krise sollte gut überlegt sein. Blinder Aktionismus ist nicht zielführend und kann kontraproduktiv enden. Dennoch sollte unter bestimmten Umständen überlegt werden, ob eine Chance vorliegt und diese „beim Schopfe gepackt werden“ muss.

Die aktuelle Situation ist für viele Menschen besorgniserregend und die Maßnahmen die getroffen werden mussten, wirken sich auf die Psyche und auch monetär auf viele Arbeitnehmer aus.

Kurzarbeit als Indikator?

Viele Unternehmen bedienen sich der wirtschaftlichen Maßnahme, ihre Arbeitnehmer in Kurzarbeit zu schicken. Die gehaltlichen Konsequenzen sind dabei nur ein Aspekt – wenn auch in den meisten Fällen der Wesentlichste – der sofort auftritt.
Abgesehen davon, dass der monatliche Lohn unter 70 % des sonstigen Erwerbs fallen kann, beginnt unweigerlich auch die generelle Betrachtungsweise der beruflichen Situation.

„Ist mein Job in Gefahr?“ „Übersteht mein Unternehmen die Krise?“ „Wann können wir wieder zur Normalität zurückkehren?“ „Drohen Stellenabbau und Kündigungswellen?“

Neben der negativen Zukunftsperspektive, gilt es auch mit konkreten aktuellen Geschehnissen klar zu kommen. Kurzarbeit bedeutet eine Reduzierung des Arbeitsaufkommens. Im schlimmsten Fall zu 100% Inaktivität.
Der gewohnte Ablauf des Tages ist nicht mehr gegeben. Was anfangs noch positiv angesehen werden kann, kann sehr schnell umschlagen und die Psyche angreifen. In dieser Phase setzt unweigerlich der Gedankenprozess ein und die Frage, ob ein Jobwechsel in der Krise sinnvoll wäre.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier

Einerseits mögen wir Abwechslung, andererseits brauchen wir Strukturen und klare tägliche Rituale. Diese können zu Teilen kompensiert werden, doch führen sie auf Dauer zu einer Missstimmung.
Die sozialen Kontakte und der Umgang mit dem Gewohnten fehlen zusätzlich und machen die Situation komplizierter.

Dualistische Betrachtungsweise der Situation

Die Einschätzung der persönlichen Situation ist gleichsam schwierig, wie auch ambivalent.
Diejenigen, die in der Krise, bedingt durch Homeoffice oder Kurzarbeit, nichts vermissen, sollten sich die Frage stellen, warum das so ist. Fehlt einem der tägliche Arbeitsprozess nicht? Ist man so „satt“ in seinem Tun, dass es keinen Benefit bringt, ob man arbeitet oder eben nicht? Liegt vielleicht ein Bore-out-Syndrom vor?

Es sollte nicht pauschal beurteilt werden, ob in diesem Fall eine Grundlage für Veränderung vorliegt. Jedoch kann der Augenblick dafür verwendet werden um nicht direkt in „medias res“ zugehen. Eine konkrete Auseinandersetzung mit der Situation und das Hinterfragen der eigenen Perspektive.
Andererseits kann es auch nur eine positiv gewertete Momentaufnahme sein. Eine attraktive Auszeit zum ansonsten guten Empfinden des Arbeitsverhältnisses.

Dem gegenüber steht die subjektive Einschätzung, dass die aktuelle Situation Ängste hervorbringt. Noch ist es nur Kurzarbeit, was passiert als nächstes? Wo endet der Prozess? Ist mein Unternehmen in der Lage die Krise zu meistern?

Rationale Analyse anstelle von Aktionismus

Für beide Fälle lässt sich die Empfehlung geben alles mit Bedacht zu analysieren. Eine rationale Herangehensweise ist zielführend und wird ein sinnvolles Ergebnis zu Tage bringen.

Stellen Sie sich nachfolgende Fragen:

  • Wo will ich hin?
  • Wie sehr belastet mich meine berufliche Situation?
  • Bin ich bereit für eine Veränderung?
  • Welche Vorteile sehe ich in der Veränderung?
  • Was erwarte ich und ist das realisierbar?
  • Was sind meine Perspektiven und wie passen diese in meinen persönlichen Lebensplan?
  • Handelt es sich bei meinen Gedankenspielen um konkrete Veränderungswünsche oder ist es nur der Situation geschuldet?

Weitere Parameter sollten unbedingt in den Prozess aufgenommen werden:

  • Was riskiere ich durch einen Wechsel?
  • Welche Chancen (Karriere, Aufstieg, etc.) beende ich an dieser Stelle?
  • Bin ich bereit an anderer Stelle wieder neu zu starten?
  • Wird mir etwas fehlen? (Kollegen, Arbeitssituation, etc)
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Informationsbeschaffung

Sammeln Sie so viele Informationen, wie Sie nur finden können und prüfen Sie diese mit Ihrer subjektiven Situation. Obgleich die aktuelle wirtschaftliche Situation für Ihren Arbeitgeber schwierig ist, so kann vielleicht der Ausblick sehr wichtig sein.
Wie sieht die Perspektive aus? Arbeiten Sie in einer Branche die nachhaltig von der Krise betroffen ist? Ist die Aussicht auf Besserung gut und bereits wieder messbar, dass die Kurzarbeit in Kürze aufgehoben wird?

Sollten Sie sich mit einem konkreten Jobangebot auseinandersetzen, so prüfen Sie auch an dieser Stellen, ob die Firma gesund und die Aussicht auf gesicherte Verhältnisse gegeben sind. Was wäre schlimmer, als vom „Regen in die Traufe“ zu gelangen?!

Entlassen? Auch jetzt ist Sondierung wichtig

Sofern Sie bereits gekündigt worden sind, stellt sich die Situation anders da und ein Jobwechsel in der Krise ist die logische Konsequenz. Dass Sie aktiv werden steht ausser Frage.
Allerdings sollten Sie auch in dieser Situation besonnen agieren. Nehmen Sie sich die Zeit und überwinden Sie den ersten Schock. Oftmals empfinden viele Menschen eine persönliche Kränkung und kommen sehr schlecht damit klar.

In dieser Phase ist es unabdingbar, dass Sie sich wieder „erden“ und aus einem Zustand rationalen Handelns den nächsten Schritt gehen.

Fazit

Es lässt sich nicht generell Festhalten, ob die Entscheidung eines Jobwechsels in der Krise, richtig oder falsch ist. Jedoch ist es wichtig, dass Sie alle Sichtweisen durchgespielt haben und zu einem rationalen Entschluss gelangen, der nicht durch blinden Aktionismus geprägt ist.
Prüfen Sie alle Gegebenheiten und vor allem sich selbst, ob der eingeschlagene Weg tatsächlich der richtige für Sie sein wird.

Im Falle einer Kündigung sollten Sie sich die Zeit nehmen, die Sie benötigen. Versuchen Sie einen Normalzustand herzustellen und starten Ihren Bewerbungsprozess, wenn Sie sich sicher sind, wohin die Reise gehen soll.

Wir unterstützen Sie gerne in der Beratung und Analyse der Situation. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf, wir stehen Ihnen gerne zur Verfügung.

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2 Kommentare

  1. Guten Tag,
    habe mir die Zeit genommen, um wieder in die richtige Richtung schauen zu können.
    Wann können wir uns zusammentelefonieren?
    Gruß,
    Daniel Fernges

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