Impostor Syndrom
Impostor Syndrom

Das Impostor-Syndrom wird umgangssprachlich auch Hochstapler-Syndrom genannt. Leider führt diese Definition zu einer falschen Wahrnehmung.
Es handelt sich keinesfalls um die Tatsache, dass der Leidtragende eine hochstapelnde Ausrichtung in seinen Tätigkeiten vornimmt, sondern das persönliche Empfinden der Protagonisten so ausfällt.

Selbstzweifel und falsche Selbstreflexion ist ursächlich für die Annahme, dass die Betroffenen sich permanent hinterfragen und glauben, unfähig für die berufliche Funktion zu sein.
Selbst bei erfolgreicher Tätigkeit und konstant nachweislich guter Arbeit, liegt eine latente Störung der eigenen Einschätzung der qualitativ geleisteten Arbeit vor.

Die Negativität der eigenen Person gegenüber, führt zu einer permanenten Einordnung der getätigten Prozesse. Erfolge und positive Abschlüsse, werden dem Umstand Glück oder Zufall zugeschrieben, während Misserfolg immer in Zusammenhang mit der eigenen Unfähigkeit gebrachten werden.
Dieser Zustand kann dazu führen, dass diese Menschen in einem Zustand leben, sich selbst für einen Hochstapler zu halten und nur darauf warten „enttarnt“ zu werden.
Die selbsterfüllende Prophezeiung ist eine logische Konsequenz dieser Gemengelage, da eine Person die fortwährend mit dieser Form der Selbstzweifel lebt, einer immens großen Drucksituation ausgesetzt ist, die sich auf die Qualität auswirken kann. Eine Kündigung ist die finale Bestätigung, der schon vorhandenen These, ungeeignet für die beruflichen Ansprüche zu sein.

Problem der Internalisierung

Studien aus den 1970er Jahren zeigten bereits auf, dass dieses Phänomen ca. 40% der Berufstätigen im Laufe ihrer Karriere ereilt. Die Stärke der Ausprägung und der persönliche Entwicklungsprozess sind dabei entscheidend, ob im Laufe der Zeit das Syndrom abnimmt oder aber verstärkt wird.
Wie bei den meisten Wahrnehmungsstörungen, liegen die Ursachen in der Kindheit und sind eine Konsequenz von sozialen Zwängen und falschen pädagogischen Maßnahmen im Umgang mit Erfolg und Misserfolg.

Kinder die den Fehler bei sich selbst suchen und die Komplexität der Gesamtsituation dabei exkludieren, laufen Gefahr die eigene Leistung nicht objektiv zu betrachten. Das andere Extrem liefern diejenigen, die den Fehler des Scheiterns auf widrige Umstände legen, die nicht in ihrer Macht liegen.

Während in Fall 1, der Schiedsrichter bei einem Fussballspiel sämtliche Entscheidungen falsch gepfiffen hat, die Partie 1:7 ausging, wird in Fall 2, bei Niederlage eines Spiels mit 0:1, die Ursache auf die eingeschränkten persönlichen Fähigkeiten am Ball gelegt. Beide Wahrnehmungen sind falsch, doch die unterschiedlich gelagerten Einschätzungen führen zu diametral anderen Selbstreflexionen.

Erwähnt sei an dieser Stelle, dass es sich um eine geschlechtsneutrale Einschätzung handelt und dieser Effekt sowohl bei Frauen, als auch bei Männern in gleichem Maße auftritt.
Allerdings sorgen Zwänge, Sitten und soziale Rollen dafür, dass bei Frauen der Impuls gezielter von aussen kommt und die Problemlösung (auch) im Umfeld gesucht werden kann. (siehe auch Männer sind anders, Frauen auch)

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Indikatoren für die Existenz des Syndroms

Die Anerkennung erfolgreicher Tätigkeit, wird von den Betroffenen nicht akzeptiert. Ein mitwirken und/oder federführendes persönliches Einwirken, der zu einem positiven Resultat geführt hat, wird kategorisch abgelehnt.
Des Weiteren sind eigene Fehlleistungen nicht als Beispiel für die eigene generelle Unfähigkeit anzusehen.

Therapeutischer Ansatz

Der intrinsische Impuls (aus dem Innneren) ist notwendig den Kreis zu durchbrechen. Erst wenn der Betroffene einsieht, dass ein fehlerhaftes Handeln vorliegt, kann damit begonnen werden, die Routine zu durchbrechen.
Das Durchbrechen des falschen Selbstbilds ist das Ziel und kann nur über den Austausch der (falschen) subjektiven Wahrnehmung hin zu einem objektiven betrachten der Situation erfolgen.

Dunning-Kruger-Effekt

Während der Impostor Effekt ein Problem des Unterschätzen der eigenen Leistungsfähigkeit ist, ist der Dunning-Kruger-Effekt, das genaue Gegenteil.
Die Wissenschafter Dunning und Kruger publizierten Ende des vergangenen Jahrtausends über den Zustand der permanenten Selbstüberschätzung und der Kompensation der eigenen Unfähigkeit mittels Herabwürdigen fremder, guter Leistungen.

„Wenn jemand inkompetent ist, dann kann er nicht wissen, dass er inkompetent ist. Die Fähigkeiten, die man braucht, um eine richtige Lösung zu finden, (sind) genau jene Fähigkeiten, die man braucht, um eine Lösung als richtig zu erkennen.“
(David Dunning 1999)

Es wird geleugnet, dass die persönliche Fehlbarkeit ursächlich für existierenden Misserfolg ist. Darüber hinaus wird versucht die gute Leistung anderer mitwirkender Personen zu relativieren oder gar schlecht zu reden.

6 Kommentare

  1. […] Das Gegenteil dieser Form der Darstellung, ist die zwanghafte Form, erlangter Erfolge negativ zu relativieren oder gar zu verschweigen. Diese Variante wird sehr häufig von weiblichen Kandidaten praktiziert und bewirkt ebenfalls eine negative Einschätzung Ihrer Person. (siehe Impostor-Syndrom) […]

  2. […] Sie möchten überzeugen und haben Erfolge vorzuweisen. Präsentieren Sie diese und stellen sich im bestmöglichen Licht dar. Achten Sie darauf, dass Sie nicht arrogant wirken und liefern Sie bestenfalls Belege für das Beschriebene. Bescheidenheit ist ein gänzlich falsches Element und wird Ihnen keinen Vorteil bringen. (siehe auch Impostor-Effekt)  […]

  3. […] Sie möchten überzeugen und haben Erfolge vorzuweisen. Präsentieren Sie diese und stellen sich im bestmöglichen Licht dar. Achten Sie darauf, dass Sie nicht arrogant wirken und liefern Sie bestenfalls Belege für das Beschriebene. Bescheidenheit ist ein gänzlich falsches Element und wird Ihnen keinen Vorteil bringen. (siehe auch Impostor-Effekt)  […]

  4. […] Gemeint ist eine gesunde Wahrnehmung der eigenen Person. Sind Sie sich Ihres Stellenwertes bewusst und leben Sie auch danach? Es ist bewiesen, dass Personen mit minderwertigem Selbstbewusstsein, größere Schwierigkeiten haben, voran zu kommen. Wie in vielen Dingen, ist die Balance entscheidend. Es sollte nicht übersteigert, jedoch ausreichend vorhanden sein, damit Sie nicht in Ihrem Aktionsraum gehindert sind. Sie haben einen Wert in der Gruppe und Ihre Stimme hat Gewicht. Viele Menschen leiden unter der zwanghaften Unterordnung der eigenen Person und haben sich selbst dazu konditioniert ohne Selbstbewusstsein zu agieren. (siehe Impostor-Syndrom) […]

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