Ghosting im Recruiting
Ghosting im Recruiting

Bekannt ist dieses Phänomen schon lange, man tat sich nur sehr schwer damit, dem „Kind einen Namen zu geben“:

Ghosting!

Im privaten Umfeld (leider) schon lange gebraucht, wird es zunehmend auch mehr und mehr im Professionellen während des Personalprozesses eingesetzt.

Was ist es und warum findet es statt?

Unter Ghosting versteht man den unangekündigten Abbruch jeglicher Kommunikation. Ohne Vorwand und ohne Vorlauf, kappt eine Seite den Dialog und ist fortan nicht mehr zu erreichen: als wäre er/sie/es zum Geist geworden.
Die zurückbleibende Partei wird ratlos zurückgelassen und durchlebt diverse Phasen ohne ein wirkliches Indiz, was der Status Quo ist.

Als Begründung für diesen Vorgang, wird die Konfrontationsscheu mit der anderen Seite genannt. Ein unangenehmes Gespräch, ein Abbruch des Interesses, oder gar einfach nur mangelnde Wertschätzung.
Alle diese Parameter lassen sich auf den Personalprozess transportieren und sind ursächlich für den Einsatz des Ghostingeffekts.

Ausdrücklich erwähnt sei an dieser Stelle, dass diese Geschehnisse sowohl auf Seiten der Bewerber, wie auch auf Seiten der Unternehmungen ihren Einsatz finden.
Im Laufe eines Bewerbungsprozesses findet ein permanentes Optimieren auf beiden Seiten statt. Ein Bewerber, der aktiv suchend ist, hat wahrscheinlich mehrere simultane Anfragen in Richtung unterschiedlichster Firmen adressiert.
Präferenzen sind gegeben und Ideallösungen haben den größten Fokus. Im Verlaufe eines Prozesses kann es somit zu mehreren zeitgleichen positiven Resonanzen kommen, die eine Selektion für den Kandidaten notwendig machen.
Der Impuls, das beste Gesamtpaket zu wählen, sollte der logische Effekt sein und eine Absage in Richtung des „Plan B'“ eine weitere Handlung darstellen…

Genau in diesem Moment, setzt ein Mechanismus in Kraft, der die Notwendigkeit dieses Handelns in Frage stellt:
Warum muss ich absagen, ich habe davon nichts mehr. Vielleicht muss ich meine Wahl auch noch begründen und erhalte weitere unliebsame Fragen, die mir unangenehm sind. Der einfachere Weg ist ein geräuschloses Verschwinden aus allen kommunikativen Räumen und ein ignorieren der folgenden Dialoganfragen…

Der umgekehrte Fall findet nach Erkenntnis aktueller Studien ähnlich häufig statt. Unternehmen haben ihren Kandidaten gefunden und bereits in die engere Wahl eingestufte und bestimmte Alternativen, sind ab diesem Augenblick nicht mehr gefragt. Ein bis dato aktiver und enger Dialog zu den potentiellen weiteren Bewerbern – die sich berechtigte Hoffnung machen – wird abrupt eingestellt und fixe Daten des Feedbacks, werden gänzlich ignoriert.

Eine neuerliche Kontaktaufnahme nach einer Zeit des Wartens, wird dann oftmals mit einer kurzen Antwort beendet, die inhaltlich wiedergibt, dass man sich anders entschieden habe und man in Kürze die formale Absage verfasst hätte: Vielen Dank!

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Respekt ist nicht vorhanden

Woran liegt es und was lässt sich überhaupt argumentativ vorbringen, was ein Handeln dieser Art, rechtfertigt?
Auf Seiten der Unternehmen mag es fehlende Manpower sein, der Fokus liegt auf dem zu generierenden neuen Mitarbeiter und nicht auf dem sauberen Abschluss des Prozesses zu denen, die es nicht werden sollen.
Falsche Direktiven? Der Nutzen ist nicht mehr vorhanden, das Potential nicht mehr gesehen, ergo hat es keine Priorität mehr.

Die Motivation aus Sicht des Kandidaten für Ghosting sind ähnlich. Keine Notwendigkeit mehr, Höflichkeiten und weitere Formalien aufrecht zu halten. Keine weitere Kommunikation mehr gewünscht, da es nur noch Aufwand bedeutet.

Beide Perspektiven lassen eines ganz klar vermissen: den Respekt gegenüber der anderen Seite.
Ein Kandidat der suchend ist und wartet, ob es positiv endet. Ein Personaler, der einen „Haken“ hinter der Besetzung einer Stelle machen möchte und in der Annahme den geeigneten Kandidaten gefunden zu haben, sich auf weitere Jobs konzentrieren will.

In der Berufswelt ist es wie auch sonst im Leben, die Überschneidungen auf den beruflichen Wegen erfolgen unregelmäßig, jedoch finden sie häufig statt. Gemäß der Floskel, man sieht sich mindestens zwei Mal im Leben, sind neuerliche Treffen an anderer Stelle fast zwangsläufig.

Des Weiteren sollte sich eine Unternehmung die diese Form der Beendigung des Recruitingprozesses praktiziert, darüber im klaren sein, dass die Aussendarstellung durch die „verwaisten“ Kandidaten nicht positiv ausfallen wird und entsprechende negative Bewertung gegenüber Dritten die logische Konsequenz sein wird.

Wie in vielen Bereichen, so sollte gemäß dem Motto „Fair Play“ agiert werden. Eine persönliche Absage ist eine wertschätzende Geste und kann auch positiv gewertet werden. Eine Nachfrage nach der Entscheidung dient meist der Optimierung der eigenen zukünftigen Herangehensweise und kann ebenso förderlich sein. Es muss in der heutigen Zeit eine Selbstverständlichkeit sein, dass der Kontakt auf der anderen Seite, das Recht hat, von mir ausreichend respektvoll behandelt zu werden.

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