In der heutigen Zeit werden neun von zehn Bewerbungen über das Internet getätigt. Die klassische Form des Bewerbungsprozesses ist überholt und damit einhergehend, auch die klassische Form des Dialogs zwischen Bewerber und der Unternehmung. Um es festzuhalten, das ist auch gut so.

Viele Personalentscheider finden die konservative Variante des Anschreibens überholt. Aus diversen repräsentativen Studien geht hervor, dass die Anschreibenstruktur, nur ein formales Überbleibsel des Recruitingablaufs der Vergangenheit sei.
Dennoch sollte auf ein Anschreiben nicht verzichtet werden und auf höchste Sorgfalt, bei der Gestaltung, geachtet werden.

Während der Lebenslauf, das Selbstprofil und weitere Dokumente oftmals sehr leicht zu verschriftlichen sind, sehen Bewerber die Erstellung eines Anschreibens als große Herausforderung an.
Ursache ist die Notwendigkeit, Motivation, Anlass und Zusammenhang der eigenen Person mit dem Jobprofil, in einer kurzen, jedoch prägnanten Form, zu formulieren.

Nachfolgend erklären wir den strukturellen Aufbau und weisen Sie auf Fehlerquellen hin. Auch in diesem Fall gilt wiederum, die Möglichkeit viele Bonuspunkte mit einem Anschreiben zu generieren ist gering. Die Option, Minuspunkte zu sammeln, jedoch umso größer.

Aufbau des Anschreibens

1. Absender
Ihre Adress-Stammdaten sollten in diesem Teil aufgeführt werden. Unterhalb dieser fügen Sie Ihre private Email-Adresse, sowie eine Telefonnummer (Mobilfunknummer) an, unter der Sie für den weiteren Dialog, im Prozess der Bewerbung, erreichbar sind.

2. Datum
Das aktuelle Datum, an dem das Anschreiben erstellt worden ist. Achten Sie darauf, dass es rechtsbündig zum Texteil des Dokuments ist. Die Formatierung des Datums lautet: TT.MM.JJJJ (T = Tag | M = Monat | J = Jahr). Vor dem Datum sollte der Ort der Erstellung stehen. Beispiel: Düsseldorf, 01.06.2019

3. Betreffzeile
Die Betreffzeile ist die Bezugnahme Ihrer Bewerbung. Sie stellen die Verbindung zu der ausgeschriebenen Vakanz her und liefern die Möglichkeit der direkten Zuordnung. Da Sie sich für etwas bewerben, sollte dies auch inhaltlich erwähnt werden. Des Weiteren sind interne Kennzahlen der Ausschreibung für den Lesenden hilfreich und sollten enthalten sein.
Der Schrifttyp dieser Zeile sollte fettgedruckt werden.
Beispiel: Bewerbung als Leiter Marketing – HH1234/05

4. Persönliche Anrede
An dieser Stelle können Sie (unter Umständen) glänzen. Sollte der Stellenausschreibung kein direkter Kontaktpartner zugeordnet sein, so bietet es sich an, diese Person zu recherchieren. Der Vorteil ist, dass Sie die Person in der direkten Ansprache kontaktieren können.
Eine Anrede mit „Sehr geehrte Damen und Herren“, ist formal nicht falsch. Allerdings sticht Ihr Anschreiben mit der Formulierung der Anrede an „Frau Müller“ augenblicklich heraus.

5. Einleitung
Wie eingangs beschrieben, ist die Notwendigkeit etwas kurz und dennoch prägnant zu formulieren, elementar wichtig in der Erstellung des Anschreibens. Verwenden Sie keine unnützen Floskeln und kommen Sie direkt zur Sache. Da Sie bereits im Betreff den Grund Ihres Schreibens – die Bewerbung – mitgeteilt haben, ist es an dieser Stelle nicht mehr nötig, neuerlich darauf hinzuweisen.
Formulierungen wie „hiermit bewerbe ich mich…“ sind Fülltext und bieten keinen Mehrwert. Die Erwartung des Lesenden an ein Anschreiben ist es, den Grund zu erfahren, warum gerade Sie der richtige Kandidat für die Stelle sind. Es kommt auf den Inhalt an. Versuchen Sie Ihre Motivation zu Papier zu bringen. Warum sind Sie überzeugt geeignet zu sein und was Sie an der Ausschreibung interessiert.
Sollten Sie bereits einen Kontakt zu der Person hergestellt haben – vorab telefonisch kontaktiert – so nutzen Sie diesen Vorteil und beziehen sich einleitend darauf. Jede Form der potentiellen persönlichen Bevorteilung ist an dieser Stelle wichtig.

6. Hauptteil
In diesem Teil setzen Sie sich in das bestmögliche Licht. Achten Sie darauf, dass Sie nicht nur einen ausformulierten Abriss Ihres Lebenslaufs vertexten. Was sind Ihre Stärken und in welchem Syntax könnte das einen Mehrwert liefern?! Die Bezugnahme auf das Ausschreibungsprofil sollte erkennbar sein, jedoch vermeiden Sie es bitte, ganze Formulierungen aus diesem zu wiederholen. Die Kunst besteht darin, subtil zu verstehen zu geben, dass der Lesende aus der eigenen Interpretation die Brücke herstellt und erkennt, dass Sie passend sein könnten, bzw. es sind.
Verwenden Sie Ihre Soft Skills und gleichen diese, umschrieben, mit denen des Stellenprofils ab. Bitte dosieren Sie den Inhalt und stellen nicht zu allen Anforderungen Ihre eigene Darstellung der selben her.

7. Bezug zum Unternehmen
Jetzt kommt es darauf an, dass Sie es schaffen, harte Fakten der Ausschreibung mit belegbaren Details aus Ihrer Vita zu verknüpfen.
Sie bewerben sich im Vertrieb und wissen, dass Kennzahlen maßgeblich für die Bewertung sind?! Erklären Sie aus der Historie, wie Sie es schafften Absatzsteigerung zu resultieren und welche Fähigkeiten Ihnen hierbei hilfreich waren.
Sie haben Erfolge erzielt, die auch in dieser Position gewünscht sind? Nennen Sie diese und bestenfalls die Vorgehensweise zu Erreichung der Selbigen.
Klare Formulierungen, in denen Sie mitteilen wie Sie bestimmte Dinge angehen und konkrete Bezüge auf Anforderungen können den Entscheider von Ihrer Person überzeugen.
Denken Sie jederzeit darüber nach, was erwartet das Unternehmen von der Person die sich bewirbt und wie überzeugen Sie es davon, dass Sie der Richtige für die Vakanz sind.

8. Schlussteil
Sie haben sich in einem gutem Licht präsentiert und wollen nun, dass der nächste Schritt im Prozess einer Kontaktaufnahme seitens der Unternehmung erfolgt. Teilen Sie Ihre Erwartung mit und nutzen Sie keine Formulierungen im Konjunktiv. In der Vergangenheit wurde diese Form der Ansprache verwendet, um keine Drucksituation in Richtung des Lesenden zu erzeugen.
Doch genau dies möchten Sie. Sie sind überzeugt von der Richtigkeit Ihrer Bewerbung und zeigen ein entsprechendes Selbstbewusstsein.
Lassen Sie keine Zweifel aufkommen, dass mit Ihrer Person, der geeignete Kandidat gefunden worden ist und die logische Konsequenz, der nächste Schritt im Prozess, die Kontaktaufnahme von Seiten der Unternehmung, ist.
Eine devote Positionierung im Schlussteil weicht Ihr bis dato erzeugtes, überzeugendes Bildnis Ihrer Person, auf. Sie sind überzeugt und stellen es klar heraus.
Eine finale Vorwegnahme dieser Erwartung, darf gerne abschließend ausformuliert werden und könnte folgendermaßen lauten:
„Ich freue mich auf das persönliche Gespräch mit Ihnen“.

9. Abschluss
Wir sind im Jahr 2019 und Abschlussformlierungen wie „Mit freundlichen Grüßen“ sind formal absolut in Ordnung. Lockern Sie die Abschlusszeilen ein wenig auf und verwenden Sie eine persönliche Note. Senden Sie Grüße in die Stadt des Lesenden, oder in umgekehrter Richtung, aus dem Ort, aus dem den Lesenden diese Bewerbung erreicht.
Beispiel: Viele Grüße nach Köln… Beste Grüße aus Düsseldorf
Grammatikalische Anmerkung: nach der Grußformel und vor dem Vor- und Nachnamen (in Unterschriftsform) steht kein Komma. Die Unterschrift erfolgt in einer neuen Zeile.
Beispiel:
Viele Grüße nach München
Max Mustermann

10. Anlagen
Führen Sie sämtliche Dokumente auf, die Sie Ihrer Bewerbungsmappe hinzugefügt haben. Das Wort „Anlagen“ leitet diesen Punkt ein und wird fettgedruckt geschrieben.

Abschließend auch hier wieder der Hinweis, dass ein individuelles Anschreiben notwendig ist. Massenschreiben, die allgemein nutzbar sind, lassen sich leicht identifizieren. In einem homogenen Prozess, indem stereotyp die gleichen Schriftstücke vorliegen, werden diese sofort ausgeschlossen, die nicht individuell erscheinen.
Der Personaler stellt sich immer die Frage, was für einen Aufwand, war der Bewerber gewillt zu leisten um an den Job, für den er anfragt, zu gelangen?!

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